Quo vadis Bund Naturschutz?

Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V. berichtet:

Ein gewaltiger Streit ist unter seinen Mitgliedern und Umweltschützern um das Für und Wider der Windkraft in Deutschland entbrannt. Wie vertragen sich über 200 Meter hohe Windräder mit der unberührten Natur? Warum soll man für den Schutz des Schwarzstorches im „Grünen Band“ entlang zur ehemaligen Ostgrenze an den BUND spenden, während der Verband andernorts in den Lebensräumen und Brutgebieten des Schwarzstorches den Bau von Windrädern vehement fordert?

Die ARD berichtet am kommenden Mittwoch, 05. August, 21.45 – 22.30 Uhr in der Sendung „Plusminus“ über den Naturschutzverband BUND, der vor einer Zerreißprobe steht.

http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/plusminus-vom-06-08-2015-102.html

Offener Brief an den Bund Naturschutz

Offener Brief an Herrn Günter Schorn, Bund Naturschutz – Kreisgruppe Starnberg:

Hallo, Herr Schorn,

über eine Dame aus Krailling, die Sie vor einem halben Jahr als Starnberger Naturschützer nach Ihrer Einstellung zu den geplanten WKA in den Wadlhauser Gräben befragt hatte, ist uns, den Mitgliedern des Vereins zum Schutz der Wadlhauser Gräben, in den letzten Tagen Ihre Antwort übermittelt worden.

Zunächst betonen Sie in Ihren Schreiben, wie stark Sie sich für eine intakte Natur einsetzen, überall da, wo unnötigerweise Pflanzen oder Tiere vernichtet werden. Sie wenden sich gegen „fadenscheinige“ Ausgleichsmaßnahmen bei geplanten Gewerbegebieten oder Trassenführung von Umgehungsstraßen und gegen ignorante Behörden. Das ist sehr löblich, macht aber leider an der entscheidenden Stelle halt. Sie machen dann nämlich in Ihrer Antwort einen Schwenk und behaupten, dass die WKA-Gegner ihre Naturschutzargumente in punkto Wadlhauser Gräben nur „vorschieben“ würden, um „militant“ entgegen dem „Gemeinwohl“ ihre „eigennützigen“ Interessen durchzusetzen. Dem stellen Sie Ihre Meinung gegenüber, dass wir alle zu einer „umweltverträglichen“ und „zukunftssicheren“ Energieerzeugung beitragen müssten. Die vier inkl. Rotorspitze 210 Meter hohen WKA-Anlagen beeinträchtigen in Ihren Augen Landschaft und Natur in dem ausgewiesenen Gebiet nicht „über die Maßen“ und wenn, dann diene dies dem „größeren gesellschaftlichen Zusammenhang“. Ich kenne diese Sprachregelung der führenden Naturschützer. Hat mir doch weiland der Rotmilanexperte des Landesbundes für Vogelschutz eine ähnliche Auskunft gegeben. Mir ist bis heute schleierhaft, wie er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, tatenlos dem Schreddern der Rotmilane zuzusehen, unter Berufung auf die kommende Rettung der Welt vor dem Hitzetod.

All Ihre „Argumente“ bzw .Unterstellungen verdienen eine genauere Betrachtung. Letztlich laufen sie darauf hinaus, dass im Dienste höherer Ziele Naturzerstörung erlaubt sein muss. Menschen, die sich selbst, ihre Lebensqualität, ihre Gesundheit, ihr Eigentum und v.a. die Natur vor massiven Eingriffen  schützen wollen, nennen Sie „militant“ und „egoistisch“.

Dazu mal eine Überprüfung der Tatsachen:

Ohne zu ahnen, welche Gefahren der einzigartigen Landschaft der Wadlhauser Gräben drohen, haben dort seit über 20 Jahren viele Schäftlarner und Neufahrner Bürger aus Verbundenheit zu ihrer Heimat und Liebe zur Natur unzählige Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet. Sie haben z.B. Nistkästen angebracht, Wege befestigt, Streuobstwiesen angelegt, wucherndes Springkraut entfernt und vieles mehr, was sogar gelegentlich in Presseartikel Eingang fand. Insofern schneidet Ihre Äußerung, hier würde Naturliebe nur vorgeschoben, den Beteiligten die Ehre ab. 

Die „Militanz“ der WKA-Gegner besteht darin, sich mit Leserbriefen, Transparenten,  Info-Flyern und juristischen Mitteln gegen den Landkreis Starnberg und die Berger Gemeinde zur Wehr zu setzen. Diese ignorierten das Gebot der interkommunalen nachbarschaftlichen Rücksichtnahme und setzten nach dem St.- Florians- Prinzip den Standort der geplanten WKA möglichst nah an ihre östliche Landkreisgrenze, indem sie flugs dort noch das für ihr Vorhaben hinderliche Landschaftsschutzgebiet eliminierten. Die Entfernung zu Neufahrner Wohnsiedlungen beträgt auch nicht „ca. 2 km“, wie Sie sagen, sondern liegt zwischen 800 bis 1200 Metern. Wenn also einer einem anderen auf den Fuß tritt und dieser schreit „Aua!“, ist der „militant“. Eine merkwürdige Auffassung von Ursache und Wirkung. Ebenso aufschlussreich ist Ihre Haltung, dass jemand,  der nicht die eigene Auffassung teilt und legale Mittel dagegen einsetzt, „militant“ ist.

Sie unterstellen, dass die Nutzung der WKA dem „Gemeinwohl“ diene. Die einzigen, deren „Wohl“ hier gedient ist, sind Profiteure der riesigen Industrieanlagen im Wald. Der Projektierer, Herr Sing, kassiert z.B. 10 Prozent der Gesamtkosten von veranschlagten 21,6 Mio.€, also über 2 Mio.€. Dazu streicht er 20 Jahre lang pro Jahr 80.000 € für seine „Projektbegleitung“ ein. Dann profitieren noch die Kreditgeber, wie Banken, deren Gelder abgesichert sind. Bei den privaten Investoren sieht es wesentlich düsterer aus, denn die Windgutachten wurden unter Verschluss gehalten und die Prospekt-Prognosen sind viel höher als die Vergleichswerte ähnlicher Anlagen in Bayern. Sie meinen sicherlich, dass man mit WKA die Welt vor der Klimakatastrophe retten kann. Und das rechtfertigt in Ihren Augen einen solchen Eingriff in unberührte Natur. Dabei pfeifen es doch schon längst die Spatzen von den Dächern, dass sich die ursprünglich gute grüne Absicht von Hermann Scheer oder Jürgen Trittin in ihr Gegenteil verkehrt hat: Um den nicht grundlastfähigen Zappelstrom mit Schatten-Kraftwerken abzusichern, wird mehr denn je CO² (wegen der sinkenden Preise für Emissions-Zertifikate übrigens auch in ganz Europa) in die Luft geblasen.

Ein Klimaforscher hat es einmal so formuliert: Der Beitrag der Deutschen zur Klimarettung durch die „Energiewende“, sei so, wie wenn seine dreijährige Tochter ihr kleines Geschäft in den Bodensee  macht.

Sie behaupten, WKA würden die Energieversorgung Deutschlands „zukunftssicher“ machen. Diese Erwartung kann man nur noch mit blankem Realitätsverlust erklären: Trotz ungeheurer Mengen vor allem im Norden Deutschlands eingespeisten Stroms war unser Land keinen einzigen Tag in seiner Stromversorgung durch alternative Energienträger „gesichert“. Da helfen all die unglaublichen Höhenausschläge bei viel Wind in den Einspeisegraphiken nicht. Auch weht in ganz Europa, wie man den veröffentlichten Zahlen klar entnehmen kann, zur gleichen Zeit mehr oder weniger gleich viel Wind oder eben wenig. Ohne Grundlastsicherung aber ist unser Hightech-Standort nicht zu halten, droht eine völlige ökonomische Katastrophe.

Die Aussicht auf großtechnische Power-to-gas-Speicherung entspringt ebenfalls reinem Wunschdenken, da der Wirkungsgrad der Umwandlung von Strom in Methangas viel zu gering und das Ganze damit völlig unwirtschaftlich ist.

Sie unterstellen uns WKA-Gegnern,  Fracking- oder Biogasanhänger zu sein. Woher nehmen Sie dieses Wissen?. Das ist wirklich eine böswillige Einschätzung. Wenn Sie die Seiten von „Vernunftkraft“ einmal vorbehaltlos lesen würden, könnten Sie erfahren, auf welche Stromgewinnungs-Alternativen Windkraftgegner wirklich setzen.

Insgesamt muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen, dass bei mir die Art Ihrer Argumentation gewisse Assoziationen weckt: Da verlangen Sie zum Zwecke des höheren Ganzen Opfer, da versprechen sie eine „sichere“, goldene Zukunft, da verunglimpfen Sie Andersdenkende, da operieren Sie mit unwahren Behauptungen und Unterstellungen. Es gab Zeiten in unserer deutschen Geschichte und dann im östlichen Teil Deutschlands, da gehörte das zum ideologischen Rüstzeug.

Die Windkraftlobby hat eine riesige Propagandaschlacht in Bewegung gesetzt und betreibt eine Art Gehirnwäsche („man muss Landschaft neu denken“, wie Jochen Flasbarth vom BMU so schön formulierte). Diese Lobby steuert  Presseholdings und Massenmedien. Am 10. März dieses Jahres wurde z.B. für die „Tagesthemen“ spätabends ein Beitrag angekündigt, der die Haltung der dänischen Regierung beleuchten sollte. Diese hat wegen der vermuteten gesundheitlichen Gefährdung ihrer Bürger durch den von WKA ausgehenden Infraschall eine zweijährige Studie in Auftrag gegeben. Deswegen haben viele dänischen Gemeinden den Bau von Windparks gestoppt. Man wartete vergeblich auf diesen Sendeteil in der ARD, er wurde kommentarlos gestrichen. So weit reicht offenbar der Arm der Windkraftlobby. Man darf ja Investoren nicht „frustrieren“; TTIP lässt grüßen.

Mittlerweile sitzen Lobbyisten in Bundes- und Länderministerien und deren Behörden. Oft formulieren sie Gesetzesentwürfe, die der jeweilige Parlamentsausschuss wortwörtlich vorträgt. Dies ist jüngst geschehen bei der 10h-Regelung im Wirtschaftsausschuss des bayerischen Landtags, dem Erwin Huber vorsitzt. Dazu hat Markus Söder noch die drei großen Umweltverbände, Bund Naturschutz, Landschaftsschutzverband und Landesbund für Vogelschutz mundtot gemacht, indem diese die „Ausgleichsgelder“ für Natur- und Landschaftszerstörung aus dem „Naturschutzfonds“ erhalten.

Das nenne ich „militant“, denn hier hat man der wehrlosen Natur den Krieg erklärt.

Sie sollten also ein bisschen vorsichtiger sein mit Ihren Werturteilen und angeblichen Fakten und überprüfen, auf welcher Seite sich die echten „Naturschützer“ befinden.

Mit vielen Grüßen Alice Federspieler

Windkraft spaltet Naturschützer

Lange brodelte es beim BUND Rheinland-Pfalz, am Donnerstag trat der Landesvorsitzende Neumann zurück. In einer schriftlichen Erklärung Neumanns hieß es: „Der Konflikt zwischen Windkraft und Naturschutz hat unseren Verband tief erschüttert und wird längst nicht mehr sachlich ausgetragen.“
Seit seinem Amtsantritt im April 2013 kritisierte er, dass der Ausbau der Windenergie in Rheinland-Pfalz ungenügend gesteuert werde. So würden Fragen des Arten- und Naturschutzes vernachlässigt. „Es fehlt eine Qualitätsplanung mit ganz klaren Kriterien, wo Windenergie geht und wo nicht.“, kritisierte Neumann die Politik der Landesregierung.

Quelle:
http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/bund-landeschef-in-rheinland-pfalz-gibt-auf/.

„Windkraftanlagen stehlen die Heimat“

Der Umweltschützer und berühmte Dirigent Enoch zu Guttenberg lehnt riesige Wind- und Photovoltaik-Anlagen ab:

Mit riesigen Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen wird deutschlandweit den Menschen die identitätsstiftende Heimat gestohlen, den Profiteuren sehr viel Geld in die Kassen gespült, und im Gegenzug werden dem kleinen Mann die Strompreise unverhältnismäßig erhöht. Das sollte man auch mal in diesem Kontext sehen.

Vor 35 Jahren hatte ich die Ehre, zusammen mit Bernhard Grzimek, Herbert Gruhl und Hubert Weinzierl den Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland mit zu begründen. Ich durfte mit diesen großen Leuten als Vorstandsmitglied einige Jahre die Geschicke der Organisation und die deutsche Umweltpolitik beeinflussen. Die Energiepolitik des BUND allerdings widerspricht heute diametral unserer damaligen Naturschutzphilosophie, die sich eben nicht vom Zeitgeist korrumpieren ließ, sondern den Schutz der Natur als intakten Lebensraum für den Menschen und seine Mitgeschöpfe ganz klar als seine vornehmste Aufgabe ansah.

Tatsache ist: Der BUND hat sich nicht dagegen gewehrt, dass Landschaftsschutzgebiete und Naturparks für die Bebauung mit Windrädern zur Zerstörung frei gegeben werden. Ich bin und bleibe aber Naturschützer. Insofern hat sich aus meiner Sicht der BUND verraten.

Das ganze Interview unter:
http://www.np-coburg.de/regional/franken/frankenbayern/Windkraftanlagen-stehlen-die-Heimat;art83462,1986913
und ein Radiobeitrag auf Bayern1:
http://www.br.de/franken/inhalt/aktuelles-aus-franken/enoch-zu-guttenberg-bund100.html

Am 11.05.2012 erklärte Enoch zu Guttenberg seinen Austritt aus dem von ihm
mitbegründeten BUND UMWELT UND NATURSCHUTZ DEUTSCHLAND
:

Guttenberg_BUND_Kuendigung_11Mai2012

Naturschutz vom Winde verweht . . .

Weinzierl-Söder-SothmannNebenstehendes Bild aus der Mainpost zeigt den ehemaligen Umweltminister Söder zusammen mit Ludwig Sothmann (LBV), Hubert Weinzierl (DNR) und BN-Vize Sebastian Schönauer zusammen mit dem Projektleiter bei der Besichtigung eines Windparks. Auch die Naturschutzverbände sind Proviteure der Windenergie. Bei der Genehmigung von Windenergieanlagen muss der Antragsteller Ausgleichszahlungen für den „unvermeidbaren Eingriff in Natur und Landschaft“ leisten.

Der Bayerische Naturschutzfond, finanziert damit Projekte der Naturschutzverbände wie z.B.  die „Bewahrung regionstypischer Landschaften mit charakteristischen Landschaftsbildern“. Über die Projekte und Programme entscheidet laut Satzung der Stiftungsrat, u.a. mit den Stimmen der drei Naturschutzverbandsvorsitzenden, mit einfacher Mehrheit.

Zitat aus einem Leserbrief zum oben verlinkten Zeitungsartikel:
„Man erkennt die Natur- und Vogelschützer nicht mehr wieder. Sie verleugnen jahrzehntelang heftig erkämpfte Privilegien der Natur und merken nicht, dass sie sich von Söders durchsichtiger Kampagne vereinnahmen lassen. Und keiner: kein Söder, kein Weiger, kein Weinzierl, kein Sothmann kann die Frage beantworten, was die geplanten 1500 Windräder an Strom wirklich bringen werden. Die bislang bestehenden rund 400 WKA produzieren nicht mal ein Prozent des bayerischen Strombedarfs. Auch die Verdreifachung oder Vervierfachung wird nur einen mäßigen Ertrag bringen – dafür aber eine massive Verschandelung der Kulturlandschaft.“