Bidinger wollen kein weiteres Windrad

Auf dem Höhenzug bei Königsried soll keine dritte Windkraftanlage entstehen, entschieden die Bürger von Bidingen am letzten Sonntag mit einer Mehrheit von 77 Prozent. Vor allem die geringe Entfernung zu mehreren Weilern und der daraus resultierenden Lärmbelastung für die Bewohner war vermutlich ausschlaggebend für die Ablehnung.

http://www.bidingen.de/bidingen/aktuelles/meldungen/Bekanntmachung.pdf

Bidingen – Prognose und Realität

Im Herbst 2014 unternahm der Berger Gemeinderat eine Exkursion und ließ sich vom Bidinger Bürgermeister über die Rendite von Windkraftanlagen aufklären. In ihrem Mitteilungsblatt 2/2015 veröffentlichte die Gemeine Bidingen nun erste Ertragszahlen ihrer neuen Windkraftanlage.

WKA-Bidingen

Vergleich der Erträge (Ist) mit der Prognose (Soll)

Laut Gutachten soll die Windkraftanlage vom Typ Enercon 101 mit einer Nabenhöhe von 135 Metern und einem 3,05 Megawatt Generator pro Jahr 6.500.000 KWh produzieren und damit 611.650.- €  Einnahmen für die Gemeinde generieren. Basis dieser Rechnung sind Prognosen, welche 2130 Volllaststunden pro Jahr vorhersagen. Tatsächlich erreichte die WKA im zweiten Halbjahr 2014 nur ~ 72% dieses Wertes, auf das ganze Jahr hochgerechnet wären das 1520 Volllaststunden. Das von der Gemeinde Bidingen zu 100 Prozent mit Kredit finanzierte Windrad, soll in 20 Betriebsjahren ~2,4 Millionen Gewinn (=120.000.- € pro Jahr) erwirtschaften, mit denen die Gemeinde ihre Verschuldung reduzieren will. Doch bereits im ersten Halbjahr liegt der Ertrag um 90.000.- € unter der Prognose.

Interessant ist eine Gegenüberstellung mit den Zahlen der Windräder in Zöschingen:

WKA-Zöschingen

http://quh.twoday.net/stories/wind-in-den-haaren-der-gemeinderat-auf-exkursion/
http://www.kommunal-erneuerbar.de/./Praesentation_Buergermeister_Franz_Martin.pdf
https://www.vr-dm.de/./buergerenergie/./Soll-Ist-Vergleich_Zoeschingen_2014.pdf
http://gegenwind-starnberg.de/?s=rendite&submit=Suchen
Exceltabelle mit obiger Berechnung: WKA-Bidingen-Zöschingen

Windige Berechnungen

Ein kleiner Nachtrag zum Bericht über die Exkursion des Berger Gemeinderates und den Wirtschaftlichkeitsberechnungen des Bidinger Bürgermeisters:

ertrag--bidingen

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/elzach/wind-pustet-schulden-der-gemeinde-weg–54716854.html

Dieser Artikel über die Windkraft-Renditeberechnung der Gemeinde Bidingen in der Badischen Zeitung vom 14. Januar 2012 enthält einen groben Rechenfehler: 6.500 MWh sind 6.500.000 kWh multipliziert mit 9,41 Cent/kWh ergeben sich 611.650.- Euro und nicht  6.116.650.- Euro wie im Artikel angegeben.

Ein Tippfehler kann vorkommen, aber dass in zwei Jahren kein Bidinger nachgerechnet hat, überrascht.

Bergs „Vorbilder“

Am Wochenende besichtigte der Gemeinderat Berg eine Windrad-Baustelle bei Lamerdingen. Hier, in seiner Heimatgemeinde, errichtet der Berger Projektierer Robert Sing zusammen mit Partnern zwei Anlagen ähnlicher Größe wie in Berg.

Lageplan  Quelle: Münchner Merkur

Quelle: Münchner Merkur

Auf der Baustelle sprach Bürgermeister Rupert Monn auch mit seinem Amtskollegen Franz Martin aus der Gemeinde Bidingen im Ostallgäu. In Bidingen stehen schon zwei Windräder, ein weiteres ist geplant. Bidingen, Lamerdingen und das dazwischen liegende Jengen liegen auf nahezu dem gleichen Breitengrad westlich von Berg. Deshalb seien diese Standorte vergleichbar, insbesondere die Daten des Windrades in Jengen hätten zur positiven Bewertung von Berg beigetragen, argumentierte Sing. Wie „positiv“ diese Daten sind, zeigen folgende Rechnungen:

Daten der Windkraftanlage Jengen

Standort              Landkreis OAL          47° 58′ 32″ N, 10° 42′ 47″ O
Inbetriebnahme  18.09.2002
Type                   Vestas V80 mit 2MW
Kosten                etwa 2,5 Millionen Euro  (Quelle)
Ertrag 2013        2.421.723kWh   =  1.211 Volllaststunden pro Jahr
Ertrag 2012        1.995.615kWh   =     998 Volllaststunden pro Jahr
Erlöse                 9 Cent/kWh (Quelle)       ~200.000- Euro pro Jahr

Kosten                Betriebskosten 40.300.- € pro MW     = 80.600.- €
Abschreibung     2,5 Milionen / 20 Jahre                     = 125.000.- €
Zinsen                (geschätzt) 5% von 1,5 Millionen      =   75.000.- €
Verlust                                                    pro Jahr        =   80.000.- €

Zum Vergleich:
Anlagen des gleichen Typs Vestas V80 mit 2MW erbringen in Niedersachsen
den doppelten Ertrag! Quelle: http://landvolk-diepholz.de/ . .

 

Daten der Windkraftanlagen Bidingen – Biessenhofen

Standort              Landkreis OAL          47° 50′ 15″ N, 10° 42′ 2″ O
Inbetriebnahme  12.09.2002
Type                   Enercon E-66/18.70 mit 1,8MW
Kosten                etwa 2,45 Millionen Euro  (Quelle)
Ertrag 2013        1.844.258kWh   =  1.025 Volllaststunden pro Jahr
Ertrag 2012        2.080.604kWh   =  1.156 Volllaststunden pro Jahr
Erlöse                 9 Cent/kWh (Quelle)       ~177.000- Euro pro Jahr

Kosten                Betriebskosten 40.300.- € pro MW    =  72.540.- €
Abschreibung     2,45 Milionen / 20 Jahre                    = 122.500.- €
Zinsen                                   5% von 1,5 Millionen      =   75.000.- €
Verlust                                                    pro Jahr        =  100.000.- €

Zum Vergleich:
Auch Anlagen des Typs Enercon E-66/18.70 mit 1,8MW erbringen in Niedersachsen
den doppelten Ertrag. Quelle: http://landvolk-diepholz.de/ . .

Für die zwei Windräder in Bidingen nennt wikipedia als Betreiber/Projektierer eine Firma Beermann. Günter Beermann ist Geschäftsführer der Beermann Windkraft GmbH und Vorstand des Landesverbands Bayern des Bundesverbandes Windenergie. In einem Vortrag vergleicht Herr Beermann Windstandorte in Nord- und  Süddeutschland und kommt zu einem überraschenden Ergebnis:
vergleich-nord-südDa fragt man sich doch, warum bisher 95% aller Windkraft-Investoren so blöd waren und die Windräder nicht im „windreichen“ Bayern gebaut haben.

Quellen:
Daldorf_Praxiserfahrungen_mit_Bürgerwindparks
Windstrom_Einspeisung_Bayern
Einspeisevergütung-Wind