„Zielkonflikte bei Erneuerbaren Energien“

================= Original Nachrichtentext =============
Von: „frank.endres@tu-clausthal.de
Datum: Donnerstag, 5. Februar 2015 07:52
Betreff: Re: WG: [Debatte] Basistreffen
(cc an den Verteiler)

Ich moechte mich ganz kurz zu Wort melden. Durch einen Zeitungsartikel nachweisbar war ich im Jahre 2009 „Feuer und Flamme“ fuer die Energiewende, die damals noch nicht so hiess. Wir haben damals in unser Haus eine elektrische Waermepumpe mit Erdsonden und einen Pelletskaminofen einbauen lassen, und ich dachte ernsthaft ueber eine 15 kWp Photovoltaik-Anlage nach. Wir erreichten bei der WP immerhin einen COP von 3,5, fuer den Oberharz gar nicht mal schlecht. Dann kam die Preisexplosion beim Strom, und aus rund 17 Ct/kWh wurden 27 Ct/kWh. Ich hatte dann keine grosse Lust mehr, unserem
Nachbar die PV-Anlage zu zahlen, und wir bauten 2013 noch eine Gasbrennwertheizung ein. Von den im Abgas gemessenen 106 % „Wirkungsgrad“ (bezogen auf den Heizwert) messe ich mit geeichten Waermemengenzaehlern 90%. Kann man hier von Betrug sprechen? Trotzdem ist es wesentlich preisguenstiger, mit der Gasheizung zu heizen.

Zur Stromwende: Nachdem ich mich mehrere Jahre mit der Thematik beschaeftigt habe, komme ich zu dem Schluss, dass die Stromwende technisch schon denkbar ist. Nur wird das niemand bezahlen koennen, Deutschland wuerde unweigerlich ein bitterarmer Agrarstaat, vom Flaechenverbrauch und den Risiken fuer Leib und Leben ganz abgesehen. Es ist nicht damit zu rechnen, dass Batterien (Akkus) jemals so billig werden, dass sie 30.000 Lade-/Entladezyklen bei einer Lebensdauer von 30 Jahren erreichen – auch wenn Hochglanzprospekte etwas anderes sagen (wir forschen an neuartigen Batterietypen). Wer sich Lithiumionenbatterien (egal welchen Typs) in den
Keller stellen will, muss wissen, dass die IATA strenge Richtlinien fuer den Transport mit Flugzeugen erlassen hat – hm, warum nur, wenn die so sicher sind ? Wer sich mit einer PV-Anlage, einem Blockheizkraftwerk und Batterien vom Stromnetz entkoppeln will, kann dies tun, nur kosten denjenigen alleine die wiederkehrenden Kapitalkosten bei einem Strombedarf von 5.000 kWh effektiv ca. 5.000 EUR pro Jahr, entsprechend ca. 1 EUR/kWh zzgl. Kosten fuer Erdgas – das muss jeder selber entscheiden, ich werde es nicht tun, obwohl ich 2009 auch in diese Richtung Plaene hatte.

Zum CO2: Die einzig bittere Wahrheit ist, dass die bisherige Erwaermung seit dem Ende der letzten kleinen Eiszeit um 1650 (vermutlich durch den Spiralflug der Erde und weitere Zyklen verursacht) vollstaendig mit natuerlichen Zyklen erklaert werden kann. 2014 war unter Beruecksichtigung des El Nin(j)o ein sehr schwaches Rekordjahr bei der „globalen
Mitteltemperatur“. Nach diesen Zyklen muss in den kommenden 20 Jahren eine Abkuehlung eintreten, fuer CO2 bleibt nur das Rauschen in den Persistenzanalysen uebrig, d.h. vielleicht 0,1 K. Ca. in 400 – 500 Jahren wird die Erde wieder in einer kleinen Eiszeit landen. Ich habe akzeptiert, dass Sachdiskussionen dazu nicht mehr gewollt sind, und es ist nicht mehr vermessen, von der Klimakirche zu sprechen.

Ich werde am 12. Februar um 18:30 anlaesslich des Symposiums des Clausthaler Zentrums fuer Materialtechnik den Abendvortrag halten und in diesem darauf eingehen, dass man mit Gasmotorwaermepumpen und der Energiequelle Aussenluft schon heute den Heizbedarf eines Hauses leicht um 50% senken koennte, tja, wuerde es solche Anlagen preisguenstig fuer Wohngebaeude geben. Reizt man diese Technik mit immer besseren Materialien aus und verbessert die Solartechnik (aktuell wird diese in Deutschland in der Forschung faktisch nicht mehr gefoerdert, bei WKA reduziert sich die
„Forschung“ auf die Vergroesserung von Nabenhoehe und Rotordurchmesser), sodass die thermische Nutzung interessant wird, koennte man perspektivisch sogar 70 – 80 % an Heizenergie sparen, ohne jegliche andere Massnahmen wie Daemmung. Nachtraegliche Daemmung geht in den meisten Faellen schief, ich kenne kein gedaemmtes Haus ohne Algen an der Aussenfassade und ohne Schimmel im Innenraum – fuer mich als Allergiker waere das der ultimative Albtraum. Zu bloede nur, dass sich niemand fuer solche Techniken interessiert. Sinn macht dieses Konzept, wenn eine Gasmotorwaermepumpe eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren erreicht, was bei besseren Materialien sogar
vorstellbar waere. Und waere ein Fuenkchen Wahrheit an der CO2-These, muesste man bei einem nationalen Strombedarf um 600 TWh und einem Beadarf fuer Heizung/Mobilitaet um 2600 TWh als erstes bei der Effizienzsteigerung in der Heiztechnik ansetzen. Ich koennte mir das obige Konzept mit PV, BHKW und Batterien bei einem Strompreis von 1 EUR/kWh sogar leisten (wuerde mich wenig jucken), der malochende Arbeiter oder die Rentnerin im Eigenheim knapp ueber der Hartz-4 Schwelle jedoch nicht.

Wenn denn wenigstens die Energieforschung in alle Richtungen gefoerdert wuerde, aber nicht einmal das geschieht. Die Bundesregierung gibt so wenig Geld fuer die Energieforschung, dass beim BMBF mehr als 90% der Skizzen zurueckgewiesen werden muessen, manchmal tolle Ideen. Mit den dann zugeteilten Mitteln kann man zwar an der Hochschule arbeiten, aber gerade im Batteriesektor ist ein grosser Sprung so schnell nicht zu erwarten. Ich erwarte fruehestens in 20 Jahren einen marktfaehigen grundlegend neuen Batterietyp.

Zu den Gruenen: Zu Zeiten, als sich Greenpeace gegen den Walfang stellte, unterstuetzte ich diese NGO als Student mit dem wenigen Geld, das ich damals hatte. Die Gruenen habe ich in Baden Wuerttemberg und im Saarland 2x gewaehlt, im Bund 1x. Das war zu Zeiten, als sich die Gruenen noch fuer den Umweltschutz einsetzten, auch mit biologischer Landwirtschaft habe ich keinerlei Problem. Was die Gruenen aber heute veranstalten, laesst mich jede Spende an gruene NGOs und jede Stimme fuer die Gruenen zutiefst bereuen. Noch nie hat es im Nachkriegsdeutschland einen groesseren Frevel an der Umwelt gegeben als heutzutage. Zum Glueck wird der Oberharz noch 15 Jahre von WKA verschont bleiben, und ich kann nur hoffen, dass irgendwann nach
Deutschland die (Energie-)Vernunft wieder einkehrt. Kernkraftwerke finde ich toll, insbesondere die in Generation 3+, allerdings hat Deutschland so viel Kohle, dass Kernenergie nicht unbedingt notwendig ist, und eine bessere Filtertechnik wie die in deutschen Kohlekraftwerken gibt es nicht. Aber darueber darf man ja nicht mehr reden, da sofort der gruene shitstorm ueber solche Meinungen wehen wird.

Ich wuensche Ihnen einen schoenen Donnerstag.

Mit freundlichem Gruss

Frank Endres


—————————————————–
Prof. Dr. Frank Endres
Clausthal University of Technology
Institute of Electrochemistry
Arnold-Sommerfeld-Str. 6
D-38678 Clausthal-Zellerfeld
Fon: +49 5323 72 3141
Fax: +49 5323 72 99 3141
www.iec.tu-clausthal.de

 

Ein Gedanke zu “„Zielkonflikte bei Erneuerbaren Energien“

  1. Große Hochachtung vor einem Professor, der seine Aufgabe, im Namen der Wissenschaft für Wahrheit und Klarheit zu stehen, wirklich ernst nimmt!

    An den politischen Futterkrippen der Energiewende mästet sich eine halbe Generation von „Wissenschaftlern“ und überschwemmt die deutsche Öffentlichkeit (einem Tsunami gleich) mit den Ergebnissen ihrer Sandkastenspiele, genannt „Studien“. Was diese (wie gesagt politisch beauftragten und von uns allen bezahlten) Wunschträume gemeinsam haben sind:
    – vereinfachende aber weltfremde Grundannahmen für ihre Modellrechnungen
    – unendliche Akzeptanz jeden Blödsinns durch die Bevölkerung
    – totale Ignoranz der Bezahlbarkeit und, am schlimmsten
    – Ausblenden der Auswirkungen auf unsere industrielle Wirtschaft
    Wann werden diese Scharlatane endlich von ihren Kollegen als solche enttarnt und aus den Beraterstäben der Ministerien entfernt? Oder verschwinden die erst, wenn wir die verantwortlichen Politiker in die Wüste geschickt haben?

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.